Farm-Overlord auf dem Sentry Hill

On 4. September 2014 by Klaus

Jetzt gibts mal wieder nen Buchstabensteak für unsere treuen Leser.

Wir sind jetzt in unsere 5. und letzten Woche bei PJ und Tom und ihren drei Kindern auf der Farm. Der Winter und Frühling ist die geschäftigste Zeit auf der Farm. Im ganzen Lande gebären die Kühe und Schafe ihren Nachwuchs und etliche Farmen sind darauf spezialisiert die Jungtiere großzuziehen. Nicht jede Farm behält die Jungtiere bis sie ausgewachsen sind. Eine Farm die z.B. Milch für den Konsum durch uns Menschen produziert kann mit den ganzen Jungtieren nicht so viel anfangen, daher werden sie innerhalb der ersten Woche verkauft – an Farmen die sie großziehen oder sie kommen direkt auf den Bobby-Truck. PJ und Tom kaufen diese einwöchigen Jungtiere, aber nur Kälber, keine Lämmer und auch nur bestimmte Breeds (Rassen/Sorten). Die meisten werden dann bis zur 12. Woche großgezogen und dann an Farmen verkauft die sie weiter großziehen. Ein kleinerer Teil wird bis zu einem Jahr lang behalten und dann erst verkauft. Wo und wie die beiden das genau entscheiden weiß ich nicht. Vermutlich hängt es zum Teil vom Markt, den eigenen Kapazitäten und dem Werdegang der jungen Herde ab.
Die Kälber die mit einem alter von 4-7 Tagen gekauft werden, werden aber nicht einfach auf eine große Wiese gestellt, sondern kommen in kleine Gehege mit maximal 16 Stück pro Gehege. Die ganz Jungen werden zweimal Täglich mit Milch (von der eigenen Herde, Milchpulver oder gekaufte Milch von den Nachbarn) gefüttert. Je älter sie werden, desto mehr werden sie auf Stroh und Trockenfutter umgestellt. Seit wir wieder auf der Farm sind, hat PJ ca. 200 weitere Kälber gekauft. Und für die Kälber haben wir fleißig die Gehege aus Zäunen und Tunnelhäusern gebaut. Witzigerweise werden diese Tunnelhäuser von Ernst aus Christchurch hergestellt. Und bei Ernst haben wir ja zwei Wochen lang gewooft 🙂
Außer dem Gehegebau waren wir dann täglich auch mit in das Füttern involviert und als PJ für knapp eine Woche lang KO im Bett lag haben wir den Part allein zu zweit gemacht. Gut, dass das eher am Ende passiert ist, so wussten wir nach welchem Muster gefüttert wird. Ich durfte mich auch wieder mit dem Traktor vergnügen um geschredderte Barke als Untergrund in die einzelnen Gehege zu verteilen.
Um PJ noch mehr bei ihrer Arbeit zu unterstützen bzw. sie zu entlasten, weil sie ja auch noch die verschiedenen Schweineherde füttern muss, sind wir auch zu einigen anderen Farmen gefahren um die jungen Kälber abzuholen. Für den Pickup haben PJ und Tom einen Metallkäfig mit Plane, der dann hinten auf der Ladefläche verzurrt wird und für bis zu 13. Kälber platz hat.

_DSE0755Die weißen Würmer sind die Tunnelhäuser

_DSE0788Die Mühsam zusammengesammelten Zäune. Wenn die Kälber-Saison vorbei ist und auf der Farm wieder andere Dinge passieren, wie z.B. Zäune und Gehege reparieren, dann werden die Zäune wieder schon auf der Farm verstreut, irgendwo angebunden um Löcher im Draht zu verdecken usw.

_DSE0824Die Kantinenfrau bei der Essenausgabe

Das ist das erste der zwei großen Projekte auf der Farm und das zweite ist das Füttern verschiedener Herden mit Heu, weil die Wiesen jetzt im Winter nicht mehr all zu viel frisches Gras hergeben. Ihr werdet das zwar wohl kaum glauben, wenn ihr die Bilder seht, aber hier herrscht Grasmangel. Von PJ haben wir dafür eine Liste mit Gehegen bekommen und wie viel Pakete Heu jeweils zu füttern sind. Nach ein paar Tagen brauchten wir die Liste dann nicht mehr, weil wir es uns eingeprägt hatten, aber es wäre ja langweilig, wenn es die ganze Zeit gleich bleibt. Hier und da werden ein paar Kühe verschoben und somit ändern sich dann auch die Heumengen. Ein kleiner Schnack am morgen oder Vorabend brachte aber immer die nötige Klarheit. Nach einer Weile haben wir auch ein Gefühl dafür bekommen wie viel Heu zu füttern ist.
Weil Heupakete verteilen aber viel zu langweilig ist, gabs für mich noch eine Spezialaufgabe. Heuballen mit dem Traktor verteilen. Die große Kuhherde der Jungs wäre viel zu aufwändig mit kleinen Paketen zu füttern, deshalb kaufen PJ und Tom dafür die großen runden Heuballen ein und für den Traktor gibt ein Aggregat, welches den Ballen abrollt während man durch das Gehege fährt. Das klingt alles ganz einfach, isses aber wie üblich nicht.
Bei meinen ersten Trips ist so ziemlich alles schief gelaufen, was nur geht. Beim ersten Mal ist mir die ganze Herde durch das offene Tor in ein anderes Gehege entwischt, als ich durchfahren wollte. Das andere Gehege hatte aber das letzte noch richtig frische Gras, welches für die Milchkuhherde bestimmt ist. Dementsprechend schwierig war es die jungen Bullen davon zu überzeugen in ihr abgefressenes Gehege zurück zu gehn. Mit Hund und Hilfe auf dem Quadbike haben wir das dann aber hinbekommen und nicht viel frisches Gras verloren. Ab da habe ich immer Katrin auf dem Traktor mitgenommen oder PJ hat vor und hinter mir das Tor auf- und zugemacht.
Beim zweiten Mal ist mir dafür was anderes passiert. Der erste Heuball ist vom Feeder gefallen und beim ausrollen von Hand hat sich dann noch die Wickelrichtung geändert – was fürn Quälgeist hab ich gedacht. Und das Heu vom zweiten Heuball hat sich im Fördermechanismus verhakt, sodass ich den dann auch manuell ausgerollt habe.
Am dritten Tag liefs dann etwas besser, denn nur noch der zweite Heuball blieb stecken. Ab da an wurde es jeden Tag problemloser. Übung macht den Meister und so kann ich jetzt schon am Heuball erkennen ob er Probleme machen wird oder nicht.

_DSE0828Voll gerüstet für den Feldzug

_DSE0833Die hungrige Meute

_DSE0856Das verteilen entlang einer Schlängellinie hat sich bewährt. Die Steigungen und Gefälle helfen mir den Heuball auf dem Feeder zu balancieren und die Herde folgt mir auch nicht so sehr, weil sie immer wieder auf Heu stoßen. Beim geraden Verteilen ist mir die Herde immer gefolgt und hat versucht vom Heuball auf der Frontgabel zu fressen während ich fahre um den anderen zu verteilen.

Ich bin richtig glücklich darüber hier so viel Traktor fahren zu können, wer weiß wo man diese Fähigkeit mal gebrauchen kann. Außer Traktorfahrstunden versuche ich mich hier auch fleißig am Fahren und Rangieren mit Anhänger. Wenn Milch im 1000-Liter-Tank oder Kälber im Pferdeanhänger transportiert werden müssen, dann kann ich mich nun produzieren.

Neben den zwei größeren Aufgaben gibts wie immer die üblichen kleinen Dinge:
– 16-34 Eier pro Tag einsammeln
– Feuerholz zum Haus bringen
– im Haushalt helfen und süße Backwaren herstellen
– die Kinder bespaßen und zum Liegestütz animieren
– die Kinder zur Schule bringen oder abholen oder zum Rugbytraining in die Stadt fahren
… Auf einer Farm wirds nie langweilig.

Ich hatte ja schon geschrieben, dass PJ mal eine Woche lang KO im Bett lag. Wir hatten wir leider viele Erkrankungen auf einem Haufen. So ziemlich jeder von uns und der Familie war mit irgendwas dran. Wir wollen euch aber mit den Details verschonen und sind jetzt wieder Gesund und Munter.

Unser Aufenthalt auf der Farm neigt sich jetzt langsam dem Ende zu. Wir sind noch bis nächste Woche Montag oder Dienstag hier und am Wochenende steht eine große Baumpflanz-Aktion an. Die Wettervorschau für die nächste Woche sagt schönes und sonniges Wetter vorraus und wir wollen dies zum Anlass nehmen und nochmal für drei Nächte in die Berge verschwinden, die wir hier fast täglich zu Gesicht bekommen.
Danach gehts streng nach Norden. Ein kleiner Besuch in Hobbingen soll der einzige Stop auf der Reise zur Coromandel Halbinsel sein.

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen von der Farm:

_DSE0744Ein verwunschener Totara-Baum zum Sonnenuntergang.

_DSE0684Das einzige sichtbare Gebäude eines der Nachbarn.

_DSE0679

One Response to “Farm-Overlord auf dem Sentry Hill”

  • I am surprised you two enjoyed this – I always feel sick watching calves being taken from their mothers by greedy farmers. In Taranaki our neighbour, a farmer who milked for Fontera always left the calves with the mothers – so much more humane – he may not have made as much money as the geedies however he made a living

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