Der erste echte Farm-Host

On 22. Juli 2014 by Klaus

WWOOF steht ja für Willing Workers On Organic Farms. Und in vielen Gesprächen übers WWOOFing wird man danach gefragt auf was für Farmen man schon gearbeitet hat. Bisher mussten wir immer erstmal erklären, dass wir bis dato nur private Host hatten. Auf der Webseite zum WWOOFing wird das als Cultural Exchange Host bezeichnet.
Ich glaube auch das es mehr private Hosts gibt als richtige produktive Farmen die als Host verfügbar sind.

Jetzt war es aber endlich mal soweit, wir haben für 9 Tage auf einer Farm gearbeitet, die mit dem Farmbusiness ihren Lebensunterhalt verdient. Die Farm liegt auf dem Sentry Hill in der Hawkes Bay kurz bevor die Ruahine Range beginnt. Man hat also bei ausreichend Sicht immer ein schönes Gebirge am Horizont.

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Die Farm wird von PJ und Tom geführt und sie befinden sich noch im Aufbau ihres Geschäftskonzeptes. Das Geschäft mit Milch ist in Neuseeland ein Hartes. Man muss Mindestmengen liefern und Wirtschaftsanteile der Firma kaufen, die die Milch von dir kauft um sie dann in den öffentlichen Handel zu bringen. Die gesetzlichen und gesundheitlichen Vorgaben bei der Milchproduktion für „Menschen-Milch“ sind streng. Deshalb produzieren die beiden Schweine- und Rindfleisch. Um die Schweine und Kälber zu Füttern halten sie eine Milchkuhherde. Außerdem gibts noch 50 Hühner, zwei Pferde und den/die obligatorischen Hund und Katze.

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Die Aufgaben auf einer Farm sind dadurch geprägt, dass man fast jeden Tag das gleiche macht. Für uns hieß das jeden Morgen eine Kälberherde füttern, die Pferde füttern, die Hühner füttern und Eier einsammeln. Dafür sind wir mit einem Pickup auf der Farm rumgefahren. Ich muss ehrlich zugeben, dass das rumfahren damit einen erheblichen Spaßfaktor einbringt. In einem Paralleluniversum bin ich bestimmt ein richtiger Farmkerl^^.
PJ (Philippa) ist immer schon sehr früh unterwegs, weil die Milchherde morgens schon das erste Mal gemolken werden muss. Bei der „Melkung“ am Nachmittag haben wir manchmal mitgeholfen. Das ist spannend, aber ich könnte mir nicht vorstellen, das täglich machen zu wollen. Denn es muss täglich gemacht werden, sonst gibts Müsli ohne Milch und vor allem haben die Schweine sonst nix zum Fressen.
Während unseres Aufenthaltes hat einer der Hennen 12 Küken ausgebrütet. Weil sie und ihre Küken von der Scheune in auf die Wiese umziehen sollen, haben wir aus einer alten Hundehütte, einem alten Kükengehege und neuem Maschendrahtzaun ein neues Heim für die Mutti-Henne und ihre Küken gebaut.

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Auf einer Farm gibts auch immer was zu reparieren, eine Herde zu verschieben oder irgendwas muss von A nach B transportiert werden. Dadurch bin ich das erste mal Traktor gefahren und zum Glück hab ich in Bremerhaven einen Gabelstaplerschein (Merlo-Teleskopstapler, nicht die kleinen Teile ausm Lagerhaus) gemacht. So war nicht alles an einem Traktor Neuland. Wir haben auch einen Elektrozaun repariert und mit Hilfe von Ruby (dem kleinen Hütehund) mehrere Herden eingesammelt und in andere Gehege gebracht.

Uns wurde mit den Farmaufgaben nie langweilig und es war immer schön abwechslungsreich. Traktor und Pickup fahren macht natürlich spaß und wenn man morgens Glück hat dann kann man hin und wieder auch nen schönen Sonnenaufgang erleben.

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PJ und Tom sind aber nicht die einzigen Menschen auf der Farm. Die beiden haben drei Kinder, die alle innerhalb der Woche zu Schule gehen. Nachmittags oder am Wochenende müssen sie aber auch mal mithelfen die Milchkuhherde fürs Melken zusammenzutreiben. Weil die Kinder so viel Lesen hatten sie einen Monat lang Lese-Verbot und sollten stattdessen draußen spielen oder drinnen Brettspiele oder ähnliches spielen. Wir haben mit allen zusammen „Die Siedler von Catan“ und „Carcassonne“ gespielt. Zwar ohne große Erweiterungen und mit Standard-Regeln, aber es hat trotzdem Spaß gemacht und es ist witzig zu sehen, wie man wieder einen hieper auf Catan bekommen kann ;).

Jetzt hätte ich fast vergessen, also Tom arbeitet auch nur am Wochenende und Nachmittags mit auf der Farm. Die beiden Bauen das Business ja noch auf und damit trotzdem immer Gold in der Kiste ist, geht Tom als Mechaniker arbeiten. PJ macht also die meiste Arbeit auf der Farm und ist auch des Gehirn der Farm.

Wir schreiben später noch einen weiteren Artikel über diesen Host, weil wir in 2 Wochen nochmal für mindestens drei Wochen dorthin zum WWOOFen gehn. Wir haben uns dafür so entschieden, weil der Juli und der August auf der Westseite der Nordinsel die regenreichsten Monate sind. Da bleiben wir lieber relativ geschützt hinter der Ruahine Range in der Hawkes Bay, wo es im Winter auch etwas wärmer ist als weiter westlich.

2 Responses to “Der erste echte Farm-Host”

  • Hammerkrassgeile Fotos. Wunderschön.
    ist echt toll zu lesen, was ihr so treibt, ihr Lieben! Sehr informativ!
    Knutsch euch!

    • 🙂 schön, dass es dir gefällt! Hoffentlich können wir irgendwann auch solche Geschichten über unseren Aufenthalt in deiner neuen Heimat schreiben. Dies ist auf jeden Fall geplant für irgendwann – keine Angst, der Besuch in NY muss nicht so lange warten^^. Knuddeln dich auch!

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